Aufträge finden
Wie Reinigungsbetriebe an Verträge kommen statt an Einsätze
Die Gebäudereinigung ist ein Markt mit sehr niedriger Eintrittsschwelle und entsprechend vielen Anbietern. Wer versucht, sich über den Stundensatz zu unterscheiden, landet in einem Rennen, das man nicht gewinnen kann. Der Ausweg liegt darin, welche Kunden man überhaupt anspricht.
Die Rechnung, die alles entscheidet
Eine einmalige Grundreinigung bringt vielleicht 280 Euro Umsatz und 90 Euro Deckungsbeitrag. Wenn die Anfrage 20 Euro kostet und jede zweite zum Auftrag wird, bleiben 50 Euro. Das ist kein Geschäftsmodell.
Ein Treppenhausvertrag für eine Anlage mit zwölf Parteien bringt 300 bis 450 Euro im Monat, über drei Jahre sind das über 10.000 Euro Umsatz aus einer einzigen Anfrage. Deshalb ist die Kampagne vollständig auf Vertragskunden ausgerichtet: Anzeigen sprechen von regelmäßiger Reinigung, das Formular fragt nach Objektart und Rhythmus, die Landingpage zeigt Referenzobjekte statt Stundensätze.
Der Wechselmoment ist der einzige Moment
Ein Objekt, das zufrieden ist, sucht nicht. Wer online nach einer Reinigungsfirma sucht, hat fast immer ein Problem mit dem bisherigen Dienstleister. Das bestimmt, was in der Anzeige stehen muss.
Die drei häufigsten Beschwerden sind: es kommt nicht immer jemand, es kommt jedes Mal jemand anders, und niemand ist erreichbar, wenn etwas ist. Eine Anzeige, die feste Ansprechpartner, festes Personal pro Objekt und eine Erreichbarkeitszusage nennt, trifft genau den wunden Punkt. Preisargumente tun das nicht.
Praxen und sensible Objekte: die Nische mit den besten Preisen
Arztpraxen, Zahnarztpraxen, Labore und Lebensmittelbetriebe haben Anforderungen, die ein normaler Reinigungsbetrieb nicht ohne weiteres erfüllt: Flächendesinfektion, getrennte Geräte, dokumentierte Abläufe, Personal mit Belehrung. Das reduziert den Wettbewerb erheblich.
Diese Kunden zahlen deutlich bessere Preise und wechseln noch seltener als andere. Die Suchbegriffe ("praxisreinigung", "reinigung arztpraxis", "desinfektionsreinigung gewerbe") sind selten und werden von kaum jemandem gebucht.
Bauendreinigung als Türöffner
Die Reinigung nach Fertigstellung eines Baus ist ein einmaliger Auftrag mit gutem Tagessatz. Interessanter ist, wer sie vergibt: Bauträger, Generalunternehmer und Hausverwaltungen. Genau die Auftraggeber, die anschließend über die laufende Objektbetreuung entscheiden.
Wer Bauendreinigung anbietet und dabei sauber arbeitet, ist bei der Vergabe des Unterhaltsvertrags in der engeren Wahl, ohne sich bewerben zu müssen. Das ist der billigste Weg in den Vertragsmarkt, den es gibt.
Personal ist die eigentliche Kapazitätsgrenze
Anders als in den meisten Gewerken ist in der Gebäudereinigung nicht die Nachfrage der Engpass, sondern das Personal. Eine Kampagne, die mehr Aufträge bringt als der Betrieb besetzen kann, richtet Schaden an, weil schlecht besetzte Objekte kurzfristig wieder kündigen.
Deshalb fahren wir hier bewusst mit gedrosseltem Budget und steigern erst, wenn Personal da ist. Auf Wunsch läuft parallel eine kleine Recruiting-Kampagne, das ist in diesem Gewerk oft die sinnvollere Investition.
Was wir ausschließen
- Haushaltshilfe und Putzfrau. Andere Zielgruppe, andere Preiserwartung, oft Schwarzarbeitsnähe.
- Einmalige Privatreinigungen, wenn du auf Verträge zielst. Sie füllen die Route nicht sinnvoll.
- Fensterreinigung allein, wenn du das nicht anbietest. Wird getrennt beworben.
- Bewerbungen. "Reinigungskraft gesucht" ist eine Stellensuche, es sei denn du willst genau das.
Was eine Anfrage kosten darf
Bei einem Unterhaltsvertrag mit 1.800 Euro Deckungsbeitrag im Jahr und 25 Prozent Abschlussquote liegt die Grenze bei 450 Euro pro Anfrage, und das für jedes Vertragsjahr erneut. Bei einer Einmalreinigung mit 90 Euro Deckungsbeitrag und 50 Prozent Abschlussquote bei 45 Euro. Der Unterschied ist der Grund, warum die Kampagne auf Verträge zielt. Die Zahlen sind Rechenbeispiele, keine Zusage.